Wie Blickwinkel einordnet
Blickwinkel behauptet nicht, „objektiv" zu wissen, wo die politische Mitte liegt. Stattdessen legen wir offen, wie jede Einstufung zustande kommt — und machen sie überprüfbar und anfechtbar. Eine Einstufung ist kein Qualitätsurteil: Sie sagt nichts über journalistische Sorgfalt oder Faktentreue, nur über die politische Verortung der Perspektive.
Die Skala
Kontinuierlich von −100 (links) bis +100 (rechts), angezeigt in fünf Bändern: links (−100…−60), mitte-links (−59…−9), mitte (−8…+8), mitte-rechts (+9…+59), rechts (+60…+100). Die Drei-Spalten-Ansicht nutzt gröbere Schwellen (±30), damit die Mitte sichtbar bleibt.
Stufe 1 — Quellen-Einstufung (redaktionell)
Jede Quelle erhält einen Basis-Score aus vier Kriterien: Selbstverortung des Mediums, externe Einordnungen aus der Medienforschung, Publikumsstruktur und eine redaktionelle Stichprobe von mindestens 20 Artikeln, bewertet von Personen mit unterschiedlicher politischer Selbstverortung. Aktueller Stand: Alle angezeigten Werte sind solche Quellen-Einstufungen — vorläufig und unkalibriert.
Stufe 2 — Artikel-Einstufung (automatisiert, in Arbeit)
Jeder Artikel wird künftig einzeln per KI anhand von Titel und Anriss bewertet: Framing, Wortwahl, Themensetzung, Auslassungen. Ergebnis ist ein eigener Score mit gespeicherter Begründung, die in der App angezeigt wird. Der Quellen-Score wird dem Modell dabei nicht mitgegeben — Abweichungen zwischen Artikel und Quelle sind ein Feature, kein Fehler.
Kalibrierung
Vor dem Launch wird ein Testset von ~500 Artikeln von mehreren Personen mit dokumentiert unterschiedlicher politischer Selbstverortung annotiert. Automatische Einstufungen werden daran gemessen; Abweichungen, Metriken und Änderungen veröffentlichen wir.
Blindspots
Wenn ein Thema fast ausschließlich von einer Hälfte des Spektrums behandelt wird (>80 % der politisch verorteten Berichterstattung), markieren wir es als Blindspot — denn was nicht berichtet wird, prägt das Bild genauso wie das, was berichtet wird.
Was Blickwinkel nicht tut
- Keine Faktenchecks, keine Wahrheitsbewertung.
- Keine Bewertung von Personen — nur von Texten und Quellen.
- Keine Volltexte, keine Vorschaubilder: nur Überschrift, kürzester Anriss und Link zur Quelle.
- Keine politische Werbung. Niemals.
Jede Einstufung kann gemeldet werden (Funktion in Arbeit); Meldungen fließen in die Kalibrierung zurück. Vollständige Methodik im Repository: docs/methodik.md.